IK Multimedia SampleTank 2.5
„Pack’ den Tiger in den Tank!“ An diesen alten Werbespruch musste ich denken, nachdem ich 6,5 GB Samples für SampleTank auf meiner Festplatte installiert hatte. Über 1800 Sounds sind eine Menge. Da sollte der Tiger nicht nur brüllen können, sondern auch auf Samtpfoten schleichen, eben alle Facetten des modernen Sound-designs sollten bei so einem Umfang vorhanden sein.
Mit SampleTank 2.5 bringt IK Multimedia eine erweiterte und verbesserte Version des bekannten virtuellen Samplers auf den Markt.
Installation und Registrierung, oft beklagte Prozeduren, machen keine Schwierigkeiten. Die Challenge/Response Registrierung geht sehr schnell, wenn man den Computer mit dem Internet verbunden hat. Allerdings dauert es eine Weile, bis das DVD-Laufwerk über 6,5 GB auf die Platte geschaufelt hat, aber das geht nun mal nicht schneller.
SampleTank ist sowohl standalone als auch als Plug-in für Mac und PC zu verwenden. Das Programmfenster ist sehr übersichtlich und alle Elemente sind logisch angeordnet. Nur die sehr kleine Schrift ist manchmal etwas anstrengend zu lesen.

SampleTank wird als Workstation Plug-in bezeichnet und entsprechend viele editierbare Parameter gibt es. Erstaunlicherweise ist es gelungen, die gesamte Benutzeroberfläche in einem einzigen Fenster unterzubringen.
Am oberen Rand des Fensters sind MIDI-, Load- und Save-Buttons und einige weitere Einstellmöglichkeiten zu finden. Darunter liegt das große Fenster mit rotem Hintergrund, das in zwei Hauptbereiche unterteilt ist. Links organisiert man die verwendeten Sounds im MIX-Window und rechts befindet sich der Browser, der zur Auswahl der Sounds dient. Ein Doppelklick auf einen Instrumenten-Namen und schon wird das Instrument geladen und erscheint im linken Bereich.
In 16 Reihen untereinander, den Parts, lassen sich im Mix-Bereich die Instrumente anordnen. Wenn man allen den gleichen MIDI-Kanal zuweist, lassen sich 16-fache Layers erzeugen; jedes einzelne Instrument ist dabei bis zu 256-stimmig. Aber es geht auch anders. Jedes der 16 Instruments lässt sich über einen separaten MIDI-Kanal ansprechen, und sollte die Soundkarte 16 Outputs haben, kann man diese ebenfalls getrennt ansprechen.
In einer Reihe mit dem Instrumenten-Name werden folgende Parameter angezeigt, von denen sich die veränderbaren auch an Ort und Stelle editieren lassen: Part-Nr., MIDI-Kanal, Solo, Mute, Name des Instruments, Umfang der Sound-Datei in MB, Empty (um das Instrument zu entfernen), Polyphonie (man kann die Werte herabsetzen um CPU-Power zu sparen), Panorama, Volume, die Ausgangskanäle und ein Level-Balken, der in Echtzeit die Lautstärke anzeigt, wenn das Instrument spielt.
Soweit das wichtigste aus dem roten Fensterbereich. Das Rot ist schon sehr auffällig, aber der Standort von IK Multimedia ist Modena und die Ferrari-Fabrik ist nicht weit (Das es auch anders geht, verrate ich später). Damit bin ich wieder beim Auto-Vergleich vom Anfang. Was hat die Software noch unter der Haube?
Einen sehr starken Synthese- und Effektbereich, der sich im unteren Teil des Plug-in-Fensters bedienen lässt.
Um das Editieren von Instrumenten zu erleichtern, gibt es eine sehr hilfreiche Makro-Funktion. Ist diese aktiviert, werden nur die für ein Instrument jeweils besonders relevanten Regler aktiv, die anderen sind ausgegraut. Übrigens lassen sich alle Regler auch sehr bequem mit dem Scrollrad der Maus bedienen, einfach Mauszeiger darüber und scrollen.
Die Anzahl der Synthese- und Modulationsmöglichkeiten ist immens, man kann hier wirklich von einem Synthesizer sprechen, der Samples als Ausgangsmaterial verwendet, sie aber auf jede erdenkliche Art verändern kann.
Drei Synthesearten stehen zur Verfügung:
- Resampling
- Pitch-shift/Time-Stretch
- STRETCH
Die Bezeichnung STRETCH hat mich zuerst irritiert, da der Begriff ja in der zweiten Synthese-Art auch schon vorkommt. Es ist hier jedoch eine Abkürzung für Sampletank Time REsynthesis TeCHnology und verwendet einen neuen Algorithmus, der sehr überzeugende Ergebnisse liefert. Ich habe mal aus einem mitgelieferten Vocal-Sample ein kurzes Demo gebastelt. Sowohl die transponierten Einzeltöne als auch die Akkorde wurden ohne weitere Bearbeitung eingespielt, auch der dezente Hall ist aus dem „Tank“. Die Zeiten sind vorbei, als eine mehrstimmig gespielte Vocalphrase zwangsläufig im Timing auseinander lief.
Soundbeispiel 1
Damit sind wir beim Thema Effekte. Jede DAW hat heute ein reichliches Angebot an Effekten an Bord, aber oft ist es von Vorteil, Delay, Flanging, Phasing, Lo-Fi-Effekt, Kompression oder sogar Hall direkt zum Bestandteil eines Sounds zu machen. Und dafür hat SampleTank 5 Effekt-Slots, die zur Auswahl und Aktivierung von Effekten dienen, deren Parameter man dann wiederum individuell einstellen und mit dem Instrument speichern kann. Man kann Effekt-Ketten bilden und den einzelnen Parts zuweisen, oder auch mit Send und Return arbeiten, wie bei einem Mischpult. Unter den Halleffekten ist übrigens auch ein hochwertiger Hall aus dem preisgekrönten CSR (Classic Studio Reverb) Plug-in.
Im zweiten Soundbeispiel habe ich einen Loop per STRETCH schneller gemacht (von 100 auf 120 BPM) und mit der default-Einstellung des SampleTank Kompressors bearbeitet.
Im dritten Beispiel habe ich zusätzlich Delay-Reverb, Lo-Fi-Effekt und Flanger eingesetzt.
Soundbeispiel 2
Soundbeispiel 3
Und noch etwas zum Thema „Loops“. Mit der Loop-Sync-Funktion laufen mehrere gleichzeitig verwendete Loops miteinander synchron und das Tempo lässt sich außerdem dem Tempo des Host-Sequencers anpassen.
Hier eine Übersicht in Stichworten über weitere Features von SampleTank:
- Standalone Programm und Plug-in für Mac OS X (Intel-Mac und Power PC), Windows XP/Vista
- Plug-in Formate VST, RTAS, AU (Mac)
- Import von WAV, AIFF, SDII, Akai S-1000/3000 und SampleCell-Dateien.
- 5 Effekte pro Part, 5 Send- und 5 Master-Effekte (pre/post schaltbar), bis zu 90 Effekte in einer SampleTank-Instanz gleichzeitig verwendbar
- Range controls für komplexe Splits und Layers
- BPM syncable LFOs
- Zone feature für automatisches Mapping von Samples; die Notenhöhe wird durch Analyse erkannt, ebenso in den Dateien enthaltene Tonhöhen- und Ptich-Informationen
- 33 eingebaute DSP-Effekte
- MIDI Program Change
- Automation
- Fernsteuerung durch Hardware-MIDI-Controller
- Sound-Suchfunktion im Browser
- Fähigkeit alle “Powered by SampleTank” Instrumente zu lesen: Miroslav Philharmonik, Sonik Synth 2, SampleMoog, SampleTron und StudioPhonik
- gedruckte Bedienungsanleitung (englisch)
Bisher habe ich nur über Sound-Organisation und Bearbeitung berichtet. Ein ganz wichtiger Punkt ist natürlich die Qualität der mitgelieferten Instruments. Ich kann darüber nur Positives sagen, natürlich konnte ich nicht alle 1800 testen, aber wo man auch zugreift, bekommt man Qualität. Die Sounds klingen ausgewogen, brillant und sind dynamisch spielbar. Im Browser-Window sind sie im Bereich Instruments in Hauptgruppen unterteilt; wenn man auf das kleine Dreieck davor klickt, kommt man zu den Untergruppen und mit einem weiteren Klick zu den Namen der einzelnen Instruments. Dieses sind die Hauptgruppen:
- Bass
- Brass
- Drums
- Ethnic
- Guitar
- Loop
- Orchestra
- Organ
- Percussion
- Piano
- Strings
- Synth
- Terminal Head (Dance Loops)
- Vocals
- Winds
- Bonus Sounds (alle Arten von Instrumenten und Loops aus der Expansion Tank Reihe)
Ein weiteres Feature möchte ich mal „Pimp my SampleTank“ nennen. Bye, bye Ferrari-Rot, über 3 kleine Buttons rechts kann man die Hintergrundfarbe des Hauptfensters in allen Farben der Palette einfärben, die Helligkeit regeln und sogar die Farbsättigung bestimmen.

Fazit
Sehr empfehlenswert für jeden, der eine umfangreiche Sampling-Bibliothek haben möchte und erst recht für alle, die an den Sounds gern „herum schrauben“ und eigene Klänge daraus entwickeln wollen. Die Grundfunktionen Soundorganisation und Einsatz von Effekten sind sehr leicht und intuitiv zu erlernen, Makros erleichtern das eigene Sounddesign mit den Synthesefunktionen. Zusammen mit den hochwertigen Effekten hat man tatsächlich eine virtuelle Sampling-Workstation zur Verfügung, standalone oder als Plug-In.
Schlusswort
Ich frage mich oft, gerade wenn mir eine Software gefällt: „Wer sind eigentlich die Menschen dahinter?“ Für alle, die das auch interessiert, hier ein Bild der IK-Multimedia-Crew vor dem Fimengebäude in Modena, Italien.

Foto: © Jan Casagrande, aus SOUND&RECORDING Ausgabe 10.2007,
Firmenportrait IK Multimedia
Systemanforderungen
Power PC based Macintosh®
 Minimal
- 866 MHz G4
- 512 MB RAM
- Mac OS X 10.4 oder höher.
Power PC based Macintosh® Empfohlen
- Dual 1.25 GHz G4 oder G5
- 1 GB RAM
- Mac OS X 10.4 oder höher.
Intel based Macintosh®
 Minimal
- 1.5 GHz Intel Core Solo
- 512 MB RAM
- Mac OS X 10.4.4 oder höher.
Intel based Macintosh®
 Empfohlen
- 1.66 GHz Intel Core Duo
- 1 GB RAM
- Mac OS X 10.4.4 oder höher.
Windows®
 Minimal
- Pentium 1GHz / Athlon XP 1.33 GHz
- 512 MB RAM
- Windows XP / Vista oder höher.
Windows®
 Empfohlen
- Pentium 2.4 GHz / Athlon XP 2.4 GHz
- 1 GB RAM
- Windows XP / Vista oder höher.
Preis: 499,– EUR
Artikel drucken
9 Kommentare »
RSS-Feed für Kommentare zu diesem Beitrag. TrackBack URI













































Auf Grund ihres Berichtes, der gut geschrieben wurde, habe ich mir Multimedia SampleTank 2.5 gekauft. Nun habe ich die Software gestern erhalten und mußte mit Schrecken erkennen,leider alles in English. Nun stehe ich da und komme nicht weiter. Können sie mir helfen? Gibt es die Bebinnungsanleitung auch auf Deutsch ?
Mit freundlichen Gruß
Harald Herbst
Comment von Harald Herbst — 17. November 2007 @ 15:58
Hallo Harald,
du hast Post.
Jörn
Comment von Jörn — 17. November 2007 @ 16:05
Eine deutsche Bedienungsanleitung würde mich auch interessieren? Zusätzlich auch eine von Sonik Synth 2…
Comment von Marco — 23. Dezember 2008 @ 21:21
Hallo,
ohne eine deutsche Bedienungsanleitung ist das Programm wertlos.Keine Ahnung was und wie man mit dem Programm arbeitet.
Gibt es eine Anleitung auf Deutsch? Ansonsten hat sich der Erwerb des Programmes erledigt
Danke
Mit freundlichen Gruß
Georg Lauer
Comment von Lauer — 26. April 2009 @ 10:57
Hallo
Ich bin auch stolzer Besitzer des Sampletanks 2.5
Eigentlich ist dass wirklich ein gutes Gerät (Programm). Leider fehlt für mich eine wichtige Funktion (oder ich habe diese noch nicht gefunden)
Nämlich, dass Samples (besonders lange Samples, Gesangsphrasen z.BSp.) auch nach loslassen der gespielten Note bis zum Ende ausgespielt werden. Dies geht leider nur, wenn die entsprechende Taste (auf einem Keyboard), auf dass das Sample gelegt wurde, bis zum Ende des Samples auch gehalten wird. Wenn aber wie bei uns ind er BAnd Samples per Midipads angesteuert werden, können Gesangs- oder lange Effektsamples nicht gestartet werden. Solch eine Funktion gibt es z.Bsp. in dem Freeware Sampler HIGHlife dspDisco.
Auch wenn ich persönlich mit Englisch kein Problem habe, eine deutschsprachige Anleitung wäre dass was dem Sampletank auf jeden Fall beiliegen muss. Leider fehlt diese!!!!.
Viele Grüße
Holger
Comment von Holger Seidemann — 1. Juni 2009 @ 11:31
Hallo Jörn!
Ich habe ebenfalls Sampletank 2 und bin damit sehr zufrieden.
Eine Anleitung in deutsch würde mir das Entdecken dieses Programms allerdings wesentlich erleichtern.
Da Du dem netten Harald ja “Post” geschickt hast, frage ich Dich auch einfach mal nach einem Manual in deutsch.
Vielen Dank und herzliche Grüße
Sascha
Comment von Sascha — 30. Juni 2009 @ 15:29
liest hier wirklich jemand deutsche bedienungsanleitungen????
ich hab noch bei keinem produkt, egal ob hard- oder software, einen blick ins deutsche manual verschwendet.
die englischsprachigen sind IMHO schlüssiger und treffender, da englisch gerade im musikalischen bereich präziser ist. und viele englische begriffe sind doch eh ins musiker-deutsch übergegangen, man denke nur an attack, decay, sustain, release, cutoff……in deutsch hat man dann meist mit schwerstem denglish zu kämpfen. wegen einer fehelnden deutschen anleitung ein produkt als unbrauchbar einzustufen, finde ich in einer globalisierten welt doch sehr gewagt….
Comment von dirk — 30. Juni 2009 @ 16:22
Zunächst eine Antwort auf die erste Frage von Holger:
Unterhalb des “Browser”-Fensters gibt es links eine Reihe von Drehreglern für die Hüllkurve. Wenn Sustain und Release voll aufgedreht sind (im Uhrzeigersinn), wird das Sample nach dem Loslassen der Taste zu Ende abgespielt.
Comment von Jürgen — 30. Juni 2009 @ 23:24
Die Anleitungen gibt es, soviel ich weiß, leider nur auf Englisch, nicht mal auf italienisch, obwohl IK Multimedia eine italienische Firma ist. Viele Firmen machen das so, Übersetzungen sind auf diesem Gebiet sicher sehr teuer, weil ja auch alles technisch genau stimmen muss. Dann würden die Preise der Plug-ins sicher steigen.
Comment von Jürgen — 30. Juni 2009 @ 23:28